1.3 TECHNIK 

1.3.1 Schlagarten

Clear: hoher weiter Ball an die Grundlinie. Einen Clear spielt man am besten, wenn man selbst unter Druck steht, denn die Flugbahn des Balles ist bei diesem Schlag am längsten, man gewinnt also Zeit um wieder die zentrale Ausgangsposition im eigenen Spielfeld einzunehmen.
Smash
: schneller Ball ins Feld, Schmetterball. Ein Smash wird meistens gespielt, wenn der Gegner den Ball entweder bei einem Clear zu kurz spielt oder bei einem Drive zu hoch
Drop: kurzer, weich geschlagener Ball knapp hinters Netz
Spiel am Netz: Kurz gespielte Bälle werden i.d.R. am besten mit kurzen Rückspiel „beantwortet“

Drive: schneller Ball aus der Feldmitte in die Feldmitte. Im Doppelspiel ist der Drive ein sehr oft gespielter Ball, da bei Angriffsaufstellung des Gegners (Spieler 1 steht vorne / Spieler 2 hinten), der Vordere den schnellen Ball nur selten erreicht und der Hintere nicht schmettern kann.
(Vgl. Abb.)
 

5 Clear - hohe Flugkurve (flach = Angriffsclear) Ziel: Grundlinie
6 Smash - hart und steil nach unten in die Mitte oder an die Außenlinien
7 Drop - langsam: kurz und steil hinter das Netz; schnell: flach und weiter
8 Spiel am Netz - kurz und steil hinter das Netz
9 Drive - flach und schnell von Feldmitte zu Feldmitte oder Grundlinie


1.3.1.1Technik des Hohen Aufschlags – Bewegungsablauf 

  (Die Bewegungen sind für Rechtshänder erklärt. Für Linkshänder sind die Beschreibungen gegengleich anzuwenden.) 

Ausholphase:
Der Spieler nimmt eine etwa schulterbreite Schrittstellung ein, wobei das Gewicht mehr auf dem rechten Bein ruht. Der linke Fuß steht vorne, der rechte Fuß ist stärker nach außen gedreht als der linke. Das Zurücknehmen des rechten Armes
kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Der Schläger ist angehoben.
Schlagphase:
Teil 1: Beim Vorschwingen des Armes wird der Schläger zunächst annähernd in Verlängerung des Armes mitgenommen. Bevor die Hand den Oberschenkel erreicht, wird das locker gehaltene Handgelenk stark abgewinkelt, der Schläger bleibt zurück. Die Trägheit des Schlägers verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich, so dass eine starke Vorspannung entsteht. Dabei kommt das Ellbogengelenk (fast) zur Streckung. Gleichzeitig wird das Körpergewicht auf das vordere Bein verlagert.
Teil 2: Unmittelbar anschließend erfolgt der peitschenartige Schlag. Während der Schlagbewegung wird die starke Oberstreckung des Handgelenks aufgelöst (= Streckung des Handgelenks). In Verbindung mit dieser Bewegung beginnt der Unterarm eine Drehbewegung (Pronation), so dass der Ball mit der Schlagfläche im gewünschten Winkel getroffen werden kann. Es erfolgt eine Beugung des Ellbogengelenks. Der Ball wird seitlich vor dem Körper getroffen.
Ausschwungphase
Je nach Stärke des Aufschlags wird die Drehbewegung des Unterarms und die Beugung des Ellbogengelenks fortgeführt. Die Bewegung schwingt diagonal über die linke Schulter aus. Anschließend werden Arm und Schläger gesenkt und der Spieler nimmt die Grundstellung ein. 

1.3.1.2 Technik des Vorhand-Überkopf-Clears – Bewegungsablauf 

Ausholphase
Der linke Arm wird gehoben, wobei die Hand in Ballrichtung zeigt. Der rechte Arm führt den Schläger auf kürzestem Weg nach hinten oben. Das Zurücknehmen der Schlagschulter und der rechten Hüfte, in Verbindung mit einem Zurücksetzen des rechten Fußes, ist je nach Härte des beabsichtigten Schlages unterschiedlich stark ausgeprägt. Charakteristisch ist die schrägliegende, gerade Linie, die vom linken zum rechten Ellbogen gezogen werden kann.
Schlagphase
Teil 1
: Anschließend werden die rechte Hüfte und Schulter in Schlagrichtung geschwenkt, der Ellbogen bewegt sich nach vorne. Das Ellbogengelenk wird während dieser Bewegung stärker gebeugt. Gleichzeitig läßt der Spieler das Handgelenk locker nach hinten unten abkippen. Der Schläger wird im 1. Teil der Schwungschleife hinter dem Rücken des Spielers beschleunigt. Dabei schwingt der Schlägerkopf über das linke Schulterblatt hinter dem Rücken bis neben die rechte Körperseite des Spielers. In dieser Position sind Ober- und Unterarm nach außen gedreht. Die Kleinfingerkante der Hand zeigt nach oben. Die Schwenkbewegung der rechten Körperseite, die Vorwärtsbewegung des Ellbogens und das gleichzeitige Abwinkeln von Unterarm und Handgelenk in Verbindung mit der Auswärts-Drehbewegung von Ober- und Unterarm bewirken eine starke Vorspannung der Muskelkette Rumpf – Oberarm – Unterarm - Handgelenk und schaffen günstige Voraussetzungen für die folgende schnellkräftige Drehstreckbewegung.
Teil 2: Mit dem Heben des Oberarms beginnt eine schnellkräftige Streckbewegung im Ellbogengelenk. Vor dem Treffen des Balles erfolgt, bei noch leichter Beugung im Ellbogengelenk, eine Einwärtsdrehung des Armes. In dieser Phase der Bewegung durchläuft der Schlägerkopf eine halbkreisförmige Kurve und erfährt dabei eine sehr starke Beschleunigung. Durch die Drehbewegungen von Ober- und Unterarm wird die Schlagfläche in die gewünschte Schlagrichtung gebracht. Im Augenblick der Ballberührung (Treffpunkt) ist das Ellbogengelenk nicht ganz gestreckt.
Ausschwungphase
Der stark beschleunigte Schlägerkopf und die rumpffernen Körperteile - Handgelenk und Unterarm - können nicht plötzlich abgebremst werden. Die Einwärtsdrehung des Armes setzt sich fort. Das Ellbogengelenk wird gebeugt. Von der Intensität des Schlages hängt es ab, wie weit der Schlägerkopf nach vorne-unten ausschwingt. Mit dem Senken des Oberarms wird der Schläger wieder gehoben und in die Position der Grundstellung zurückgeführt. 

1.3.2 Die Schwungschleife
"Geschwindigkeit erzeugendes Prinzip" 

Die Härte eines Badmintonschlages hängt von der Geschwindigkeit ab. mit welcher der Schlägerkopf den Ball trifft. Die erwünschte hohe Endgeschwindigkeit wird dann erreicht, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Der Schlagbewegung läuft eine der eigentlichen Schlagrichtung entgegengesetzt gerichtete Bewegung voraus (vgl. Ausholbewegung bei Speerwurf. Handballwurf).
Der Schlägerkopf durchläuft im beschleunigenden Teil der Bewegung eine stetig gekrümmte Bahn. Die Kurve ähnelt einer Schleife.
Im Verlauf des 1. Teils dieser schwunghaft ausgeführten Schleifenbewegung wird die Muskulatur vorgespannt. Die Auflösung der Vorspannung im 2. Teil der Bewegung bewirkt eine starke Beschleunigung des Schlägerkopfes. Während dieser Schwungschleife darf der Schläger nicht gebremst oder abgestoppt werden. Der Effekt der Vorspannung kann nur dann wirksam werden. wenn der Schläger flüssig und ohne Unterbrechung in Richtung Treffpunkt beschleunigt wird.

1.3.2.1 Anatomische Grundlagen -Biomechanik
1.3.2.1.1 Biomechanisches Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges
Soll bei einer sportlichen Bewegung eine hohe Endgeschwindigkeit erreicht werden (z. B. Badminton-Smash), dann muss ein optimal langer Beschleunigungsweg ausgenutzt werden. Die Länge und der Kurvenverlauf des Beschleunigungsweges hängen von den Bedingungen der sportlichen Disziplin, den anatomischen Gegebenheiten der beteiligten Gelenke und Muskeln, dem vorhandenen Muskelkraftniveau und dem individuellen Koordinationsvermögen ab. Der geometrische Verlauf des Beschleunigungsweges kann entweder gerade oder stetig gekrümmt sein. Im Kugelstoß oder Speerwurf ist der Beschleunigungsweg geradlinig, im Diskuswurf, Tennisaufschlag  und bei allen harten Badmintonschlägen bogenförmig. 

1.3.2.1.2 Biomechanisches Prinzip der Anfangskraft
Eine sportliche Bewegung, bei der eine hohe Endgeschwindigkeit erreicht werden soll, ist durch eine entgegengesetzt gerichtete Bewegung einzuleiten (vgl. Ausholbewegungen bei allen Wurf- und Stoßdisziplinen). Die Gegenbewegung bewirkt eine Dehnung der Muskulatur, die wir als Vorspannung bezeichnen. Durch die Dehnung der Muskelspindeln wird reflektorisch eine Kontraktion der gedehnten Muskelgruppen hervorgerufen. Darüber hinaus steht aufgrund der elastischen Eigenschaften des Muskels gespeicherte Bewegungsenergie zur Verfügung (Gummibandeffekt). Das erhöhte Aktionspotential des Muskels wird durch schnellkräftiges Auflösen der Vorspannung frei und erhöht die Bewegungsgeschwindigkeit erheblich. Der erwünschte Effekt tritt jedoch nur darin ein, wenn der Übergang von der Vorspannung zur folgenden Anspannung flüssig vollzogen wird. Ein Bremsen oder Anhalten des Schlägers während der Schwungschleife bis zum Treffen des Balles machen den Effekt der Vorspannung unwirksam. 

1.3.3.1.3 Biomechanisches Gesetz der Koordination von Teilimpulsen
Die Bewegung muss gut koordiniert ablaufen. Die Teilimpulse müssen sich während des Bewegungsablaufs harmonisch zu einer hohen Endgeschwindigkeit addieren. Die nacheinander und gleichzeitig ablaufenden Bewegungen der Beine, des Rumpfes, der Schlagschulter und des Schlagarmes tragen dazu bei, die der Beschleunigung dienenden Kraftwirkungen aller beteiligten Muskelgruppen so zu koordinieren, dass im Treffpunkt des Balles die maximale Geschwindigkeit erreicht wird. 


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