3.2.
Der Start
3.2.1 Der Tiefstart
![]() |
Die leichtathletischen Wettkampfbestimmungen schreiben für alle Sprintstrecken (100 bis 400m) die Technik des Tiefstarts vor:
Der Tiefstart ist ein azyklischer Bewegungsablauf, der sich in drei Phasen gliedert:
Vorbereitungsphase:
- Dient der Schaffung optimaler Voraussetzungen für die Hauptphase durch
individuell
zweckmäßige „Auf die Plätze"-Stellung
- mentale Vorbereitung und Konzentration
- „Fertig"-Stellung mit Anheben des Beckens,
- Verlagerung des Körperschwerpunkts in eine günstige Position,
- Vorspannung der Muskulatur der Streckschlinge,( Die Streckschlinge
ist die Summe aller
Muskeln und ihrer Aktivitäten, die Gelenke des Körpers strecken )
- Schaffung optimaler Winkel in Sprung-, Knie- und Hüftgelenken für die
folgende
Abdruckstreckung
Hauptphase:
- Realisierung des Bewegungsziels einer möglichst schnellen Einleitung der
Laufbewegung
- Abdruck und Vorschwingen des hinteren Beins
- schnellkräftigen Abdruck des vorderen Beins gegensinnige
Schwungbewegungen der Arme
- angemessenes Aufrichten des Oberkörpers
- Vorbereitung auf schnelles Bodenfassen des hinteren Fußes
Endphase:
- Optimaler Übergang zum zyklischen Beschleunigungslauf durch günstige Körpervorlage
und
- aktiven Fußaufsatz hinter der Körperschwerpunkt-Projektion
3.2.1.1 Biomechanische Prinzipien
Prinzip
des optimalen Beschleunigungswegs:
Der Tiefstart soll die Übertragung großer
Beschleunigungskräfte in Bewegungsrichtung ermöglichen, weshalb der
Beschleunigungsweg möglichst geradlinig nach vorne oben führen muss.
Da der Körperschwerpunkt von hinten unten beschleunigt werden soll, ist
ein zu frühes Aufrichten zu vermeiden. Dies wird erreicht durch Verlagern des Körperschwerpunkts
nach vorne in der Fertig-Stellung, wodurch sich der Anteil der Gewichtskraft,
der von den Händen abgestützt wird, erhöht eingeschränktes
Aufrichten des Oberkörpers beim Abdruck schnelles,
flaches Vorbringen des hinteren Fußes, so dass beim ersten Schritt der Stützpunkt
noch hinter dem Körperschwerpunkt liegt und ein hoher Anteil horizontaler
Beschleunigungskräfte zum Einsatz kommen kann. Eine Verlängerung des
Beschleunigungsweges durch eine Ausholbewegung würde den Start verzögern und
wird deshalb unterlassen.
Prinzip
der maximalen Anfangskraft
Eine Erhöhung der Anfangskraft durch eine Ausholbewegung erfolgt aus Zeitgründen
nicht. Die verstärkte Vorspannung der an der Streckbewegung beteiligten
Muskulatur ist daher besonders wichtig. Durch das angehobene Becken in der
Fertig-Stellung werden die Füße gegen die Startblöcke gedrückt. Die Waden-
und vordere Oberschenkelmuskulatur sind vorgespannt. Der zeitlich vorausgehende
Abdruck vom hinteren Bein erhöht zusätzlich die Anfangskraft im zunächst
vorwiegend nur isometrisch arbeitenden Abdruckbein.
Prinzip
der Koordination der Teilimpulse
Der Schwungbeineinsatz erfolgt nach kurzem Abdruck simultan zur Streckbewegung
des vorderen Beins. Ebenso beschleunigend wirkt der gleichzeitige gegensinnige
Armschwung. Dieser soll möglichst geradlinig parallel zur Laufrichtung ausgeführt
werden, um die Streckbewegung auch räumlich zu unterstützen.
Die beim Start beschleunigende Kraft hat eine vertikale und eine horizontale
Komponente. Für die vertikale dient als reactio die Bodenwiderstandskraft. Da
beim Start eine starke Horizontalbeschleunigung erforderlich ist, muss zusätzlich
die Reibung zwischen Schuhsohle und Boden für den Abdruck genutzt werden. Durch
raue Tartanbeläge und Spikeschuhe wird diese Reibungskraft erhöht.
Der explosive Bewegungsbeginn beim Sprint und die dabei erwünschte hohe
Horizontalkomponente beim Abdruck erfordern eine große reactio. Ohne Startblöcke
wäre dies in der „Fertig“-Stellung beim Tiefstart
aufgrund der geringen Kontaktfläche der Fußballen zum Boden kaum gewährleistet.
Deshalb werden Startblöcke eingesetzt, die bei individuell richtig
eingestelltem Neigungswinkel optimalen Widerstand für den Abdruck bieten.