3. Grundkurs Leichtathletik

3.1 Der Sprint

Die Laufstrecken von 100 bis 400 Meter bezeichnet man als Sprint- oder Kurzstrecken.
Der Kurzstreckenlauf zählte zu den ersten Disziplinen der Olympischen Spiele im Altertum.
Der als „Stadionlauf“ bezeichnete Sprint führte über eine Distanz von 192,72 Metern. Seinem Sieger wurden im griechischen Olympia höchste Ehren zu teil.
Auch heute noch stehen die "Schnellsten" der Spiele der Neuzeit häufig im Mittelpunkt des Geschehens.

Die motorische Eigenschaft der Schnelligkeit, nämlich 
„die Fähigkeit bei sportlichen Bewegungen auf einen Reiz bzw. auf ein Signal hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen“ 

und deren leistungslimitierende Faktoren kommen beim Sprint besonders zum Tragen.

3.1.1 Leistungslimitierende Faktoren der Schnelligkeit

Faktoren der motorischen Eigenschaft Schnelligkeit 
 

Kraft der Muskulatur

 Viskosität des Muskels

 Reaktionsschnelligkeit

 Koordination

 anthropometrische Merkmale

 anaerobe Ausdauer

Die Kraft der Muskulatur

Die Muskelkraft ist eine der wichtigsten Leistungsvoraussetzungen der Schnelligkeit. Vor allem Sprinter im unteren Leistungsbereich können durch ein gezieltes Krafttraining ihre Sprintleistung erheblich verbessern.

Die Viskosität des Muskels

Die Viskosität, der intrazelluläre Reibungswiderstand der Muskelfasern, ist durch Aufwärmen der Muskeln und durch "Entschlackung", z. B. durch Massage, gering zu halten. Hohe Viskosität kalter Muskeln beeinflusst die Bewegungsgeschwindigkeit negativ.

Die Reaktionsschnelligkeit

Die Reaktionsfähigkeit ist nur geringfügig trainierbar. Die Zeit vom Auftreten des Reizes bis zum Reagieren auf visuelle Signale wird für Nichtsportler mit 0,20 bis 0,35 Sekunden, für Sportler mit 0,15 bis 0,20 Sekunden angegeben. Auf akustische Signale (z.B. Startschuss) beträgt die Reaktionszeit bei den weltbesten Sprintern 0,05 bis 0,07 Sekunden.

Die Koordination

Das Zusammenwirken zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS) und den eingesetzten Muskeln scheint für hervorragende Sprintleistungen ausschlaggebend zu sein. Entsprechend den erforderlichen Muskeleinsätzen beim Sprint sendet das ZNS geballte Ladungen von Erregungen, sogenannte Impulssalven, in zeitlich genau abgestimmter Reihenfolge über die motorischen Nerven in die benötigten Muskeln. Die zeitlich exakt festgelegte Aktivität von Nervensystem und Muskeln versucht ein optimales Verhältnis von zeitlichen (Schrittfrequenz) und räumlichen (Schrittlänge) Merkmalen der Sprintbewegungen herzustellen.
Die Koordinationsfähigkeit ist sehr gut trainierbar und nimmt eine zentrale Stellung im ganzjährigen Trainingsprozess des Sprinters ein.

Die anthropometrischen Merkmale

Die Körperbaumerkmale des Menschen, unter denen die Rumpf-/Beinhebelverhältnisse eine besondere Rolle spielen, sind nicht trainierbar. Die Körperbaumerkmale sind in den meisten leichtathletischen Disziplinen leistungsbestimmend und werden daher bei der Talentsuche als wichtige Auswahlkriterien mit herangezogen.

Die allgemeine anaerobe Ausdauer

Die Schnelligkeitsausdauer bestimmt das Leistungsbild beim Sprint vornehmlich in der Schlussphase des Rennens. Sie ist abhängig von der Fähigkeit der Muskulatur, Energie ohne Gegenwart von Sauerstoff freizusetzen.
Grundlage aller energieerzeugenden Prozesse ist das ATP (Adenosintriphosphat), welches die Energie für Muskelkontraktion und -erschlaffung bereitstellt. Bereits nach 2 bis 3 Sekunden maximaler Belastung reicht der Vorrat an ATP jedoch nicht mehr aus. Jetzt wird der nächste Energiespeicher, das Kreatinphosphat, wirksam. 1)
Bereits ab ca. 4 bis 6 Sekunden (Belastungsdauer) setzt gleichzeitig die glykolytische Energieerzeugung mit Bildung von Milchsäure (Laktat) ein. Das ist der Grund, warum auch bei 100-m-Läufern ein deutlicher Laktatanstieg zu messen ist. Dieser wirkt sich aber nicht negativ auf derartige Schnelligkeitsleistungen aus. Vielmehr sind zentralnervöse und neuro-hormonelle Überforderungen der Grund für die Ermüdung.
Ist der Kreatinphosphatspeicher weitgehend erschöpft, übernimmt der glykolytische Energiespeicher zunehmend die Energiebereitstellung. So ergibt sich für den noch mit maximaler Geschwindigkeit laufenden 200-m-Läufer eine stark anaerob-alaktazide Belastung bei zunehmender laktazider Energiebereitstellung.2)

1) Leistungsstärkere Sprinter erreichen durch Training einen größeren Kreatinphosphatspeicher und veränderte Enzymaktivitäten. Der laktatbildende Prozess setzt deshalb erst später ein. Bei submaximalen Belastungen, z. B. submaximalen Sprints, kann das Kreatinphosphat länger, evtl. bis zu 20 Sekunden, zur Energiebereitstellung beitragen.

2)
Durch Verringerung der Laufgeschwindigkeit auf submaximales Tempo verlangsamt sich die Ausschöpfung der Energiespeicher, und der Läufer kann eine längere Strecke/Zeitdauer laufen. Dies ist z.B. beim 400-m-Läufer der Fall. Hier führt eine hohe Laktatanhäufung zum Abbruch der Belastung.


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