Die
Laufstrecken von 100 bis 400 Meter bezeichnet man als Sprint- oder Kurzstrecken.
Der Kurzstreckenlauf zählte zu den ersten Disziplinen der Olympischen Spiele im
Altertum.
Der als „Stadionlauf“ bezeichnete Sprint führte über eine Distanz von
192,72 Metern. Seinem Sieger wurden im griechischen Olympia höchste Ehren zu teil.
Auch heute noch stehen die "Schnellsten" der Spiele der Neuzeit häufig
im Mittelpunkt des Geschehens.
Die motorische Eigenschaft der Schnelligkeit, nämlich
„die Fähigkeit bei sportlichen Bewegungen auf einen Reiz bzw. auf ein
Signal hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit
durchzuführen“
und deren leistungslimitierende Faktoren kommen beim Sprint besonders zum
Tragen.
Faktoren der motorischen Eigenschaft Schnelligkeit
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Kraft der Muskulatur |
Viskosität des Muskels |
Reaktionsschnelligkeit |
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Koordination |
anthropometrische Merkmale |
anaerobe Ausdauer |
Die Muskelkraft ist eine der wichtigsten Leistungsvoraussetzungen der Schnelligkeit. Vor allem Sprinter im unteren Leistungsbereich können durch ein gezieltes Krafttraining ihre Sprintleistung erheblich verbessern.
Die Viskosität, der intrazelluläre Reibungswiderstand der Muskelfasern, ist durch Aufwärmen der Muskeln und durch "Entschlackung", z. B. durch Massage, gering zu halten. Hohe Viskosität kalter Muskeln beeinflusst die Bewegungsgeschwindigkeit negativ.
Die Reaktionsfähigkeit ist nur geringfügig trainierbar. Die Zeit vom Auftreten des Reizes bis zum Reagieren auf visuelle Signale wird für Nichtsportler mit 0,20 bis 0,35 Sekunden, für Sportler mit 0,15 bis 0,20 Sekunden angegeben. Auf akustische Signale (z.B. Startschuss) beträgt die Reaktionszeit bei den weltbesten Sprintern 0,05 bis 0,07 Sekunden.
Das
Zusammenwirken zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS) und den eingesetzten
Muskeln scheint für hervorragende Sprintleistungen ausschlaggebend zu sein.
Entsprechend den erforderlichen Muskeleinsätzen beim Sprint sendet das ZNS
geballte Ladungen von Erregungen, sogenannte Impulssalven, in zeitlich genau
abgestimmter Reihenfolge über die motorischen Nerven in die benötigten
Muskeln. Die zeitlich exakt festgelegte Aktivität von Nervensystem und Muskeln
versucht ein optimales Verhältnis von zeitlichen (Schrittfrequenz) und räumlichen
(Schrittlänge) Merkmalen der Sprintbewegungen herzustellen.
Die
Koordinationsfähigkeit ist sehr gut trainierbar und nimmt eine zentrale
Stellung im ganzjährigen Trainingsprozess des Sprinters ein.
Die Körperbaumerkmale des Menschen, unter denen die Rumpf-/Beinhebelverhältnisse eine besondere Rolle spielen, sind nicht trainierbar. Die Körperbaumerkmale sind in den meisten leichtathletischen Disziplinen leistungsbestimmend und werden daher bei der Talentsuche als wichtige Auswahlkriterien mit herangezogen.
Die
Schnelligkeitsausdauer bestimmt das Leistungsbild beim Sprint vornehmlich in der
Schlussphase des Rennens. Sie ist abhängig von der Fähigkeit der Muskulatur,
Energie ohne Gegenwart von Sauerstoff freizusetzen.
Grundlage aller energieerzeugenden Prozesse ist das ATP (Adenosintriphosphat),
welches die Energie für Muskelkontraktion und -erschlaffung bereitstellt.
Bereits nach 2 bis 3 Sekunden maximaler Belastung reicht der Vorrat an ATP
jedoch nicht mehr aus. Jetzt wird der nächste Energiespeicher, das Kreatinphosphat,
wirksam. 1)
Bereits ab ca. 4 bis 6 Sekunden (Belastungsdauer) setzt gleichzeitig die glykolytische
Energieerzeugung mit Bildung von Milchsäure (Laktat) ein. Das ist
der Grund, warum auch bei 100-m-Läufern ein deutlicher Laktatanstieg zu messen
ist. Dieser wirkt sich aber nicht negativ auf derartige Schnelligkeitsleistungen
aus. Vielmehr sind zentralnervöse und neuro-hormonelle Überforderungen der
Grund für die Ermüdung.
Ist der Kreatinphosphatspeicher weitgehend erschöpft, übernimmt der
glykolytische Energiespeicher zunehmend die Energiebereitstellung. So ergibt
sich für den noch mit maximaler Geschwindigkeit laufenden 200-m-Läufer eine
stark anaerob-alaktazide Belastung bei zunehmender laktazider
Energiebereitstellung.2)
1)
Leistungsstärkere Sprinter erreichen durch Training einen größeren
Kreatinphosphatspeicher und veränderte Enzymaktivitäten. Der laktatbildende
Prozess setzt deshalb erst später ein. Bei submaximalen
Belastungen, z. B. submaximalen Sprints, kann das Kreatinphosphat länger, evtl.
bis zu 20 Sekunden, zur Energiebereitstellung beitragen.
2)
Durch Verringerung der Laufgeschwindigkeit auf submaximales Tempo verlangsamt
sich die Ausschöpfung der Energiespeicher, und der Läufer kann eine längere
Strecke/Zeitdauer laufen. Dies ist z.B. beim 400-m-Läufer der Fall. Hier führt
eine hohe Laktatanhäufung zum Abbruch der Belastung.