3.5 SPEERWURF

3.5.1 Technik des Speerwurfs
3.5.1.1 Leistungsparameter
Das geringe Gewicht des Wettkampfgeräts verlangt für die Beschleunigung
auf 30 bis 35 Meter pro Sekunde besonders ausgeprägte Schnell- und
Wurfkraftfähigkeiten der Beinstreck-, Armstreck- und der
Rumpfmuskulatur.
Die hohe Anlaufgeschwindigkeit und der Fünf-Schrittrhythmus fordern ein hohes
Maß an Sprint- und Aktionsschnelligkeit sowie Koordinationsfähigkeiten bedingt
durch den Wechsel von zyklischen und azyklischen Bewegungen.

3.5.1.2 Griffarten
* Daumen Mittelfinger-Griff
* Daumen Zeigefinger-Griff
* Zangengriff
- Beim Daumen-Mittelfinger-Griff liegen Daumen und die beiden vorderen Glieder des Mittelfingers hinter der Wicklung, der Zeigefinger liegt am Schaft. Diese Griffart ist die gebräuchlichste und erlaubt eine gute Führung des Speers
.
- Beim Daumen-Zeigefinger-Griff liegen Daumen und Zeigefinger hinter der Wicklung, alle anderen Finger an der Wicklung.
- Beim Zangengriff wird der Speer zwischen Zeigefinger und Mittelfinger gehalten. Mit dieser Griffart beugt man Ellbogenverletzungen vor, da sie eine Überstreckung des Gelenks verhindert.
Wichtig bei allen Varianten ist eine lockere Handhaltung mit dem Greifen aller Finger, die Kontakt zur Wicklung haben müssen.
3.5.1.3 Wurftechnik
Aus vielfachen Wurfvarianten hat sich im Speerwerfen eine Technik entwickelt, die im folgenden für den Rechtswerfer beschrieben wird.
Man unterscheidet folgende Phasen:
* Anlauf
* Fünf-Schritt-Rhythmus
* Abwurf
* Abfangen
In der Ausgangsstellung steht der Werfer aufrecht in Wurfrichtung, die Füße stehen nebeneinander, der Speer wird am hinteren Ende der Wicklung gefasst und befindet sich parallel zum Boden in Kopfhöhe. Das Fassen hinter der Wicklung ermöglicht eine günstige Kraftübertragung, da die Finger einen besseren Widerstand finden.
Der Anlauf, je nach Sprintfähigkeit 8 bis 12 Schritte lang, gleicht einem schnellen Steigerungslauf und ist geradlinig. Der Speer wird mit geringer Spitzenneigung in Höhe des Kopfes getragen. Der Handrücken zeigt nach außen. Beim Laufen wird der Wurfarm nur wenig
bewegt, der freie Arm wird im Laufrhythmus eingesetzt.
Der Fiinf-Schritt-Rhythmus schließt an den zyklischen Anlauf ohne Unterbrechung an. Die Schrittfolge ist: links - rechts - links - rechts - links - Wurf.
Der Abwurf erfolgt über dem linken Fuß. Der Speer verlässt die Hand in einem Abflugwinkel von etwa 34 Grad durch ein aktives Herausschleudern des rechten Unterarms. Das rechte Bein schleift nach.
Im Augenblick des Abwurfs kann vom linken Fuß durch das Becken zur Wurfhand eine Diagonale
gezogen werden, die nur geringfügig von der Senkrechten abweicht. Kopf und Rumpf sind in der
Abwurfphase etwas nach links geneigt. Es kommt so zu der wichtigen sog. "Wurfseiteitenfreiheit" auf der
Wurfarmseite. Der linke Arm wird beim Abwurf gebeugt und fixiert. Das führt zu einer optimalen Kraftübertragung auf den Wurfarm.
Das Abfangen erfolgt vor dem Abwurfbogen durch ein
Umspringen in Wurfrichtung auf das rechte Bein. Das Kniegelenk wird stark gebeugt, dadurch wird der Körperschwerpunkt abgesenkt
3.5.1.4 Anatomie
Der Speerwurf stellt hohe Ansprüche an den passiven und den aktiven
Bewegungsapparat, dabei besonders an das Schultergelenk
Das Schultergelenk ist das beweglichste und das am wenigsten gesicherte Gelenk des menschlichen Körpers.
Aufbau und Funktionalität:
• relativ kleine Gelenkpfanne des Schulterblattes und kugeliger Kopf des
Oberarmknochens;
• kaum Knochen- und Bandführung;
• überwiegend muskelgeführtes Gelenk
• weite, dünnwandige Gelenkkapsel
• Bizepssehne zieht durch das Gelenk;
• beteiligte Muskeln, z. B. Bizeps, Deltamuskel, großer Brustmuskel, breiter Rückenmuskel.
Die besonderen Anforderungen beim Speerwurf an das Schultergelenk sind
• große Beweglichkeit, um den Speer möglichst geradlinig beschleunigen zu können,
d. h. dehnfähige Gelenkkapsel und dehnfähige Muskulatur;
• hohe Stabilität durch gut ausgeprägten muskulären Halteapparat, z. B. Delta-, breiter
Rücken- und großer Brustmuskel, Widerstandsfähigkeit gegen die starken beschleunigenden Kräfte in der Zugphase.