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4.5
ERSTE HILFE BEI SPORTVERLETZUNGEN
Jährlich ereignen
sich in Deutschland über 1,5 Mill. registrierte Sportverletzungen. Ohne adäquate
Akutbehandlung kommt es häufig zu Komplikationen und Verzögerung in der
Heilung. Jeder Sporttreibende bzw. Sportbetreuende sollte deshalb die
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei akuten Sportverletzungen kennen.
Wichtig ist es, auch
vor Ort entsprechendes Therapiematerial, wie z.B. Eis, sterile Kompressen oder
elastische Binden in ausreichender Zahl zur Verfügung zu haben.
Die meisten Verletzungen könnten jedoch
bereits durch richtiges Verhalten
vor, während und nach dem Sport vermieden
werden:
* Jeder Sportler, ob Freizeitsportler oder Leistungssportler sollte sein Training so
gestalten, dass es optimal auf seine körperlichen Bedingungen zugeschnitten ist.
So werden Überlastungen
vermieden, die zu einer Sportverletzung führen können.
* Jedes Training und jeder Wettkampf sollten richtig und ausreichend vorbereitet sein.
Immer sollte ein
Aufwärmtraining und Stretching durchgeführt werden, um den
Körper auf die folgende Belastung vorzubereiten.
* Die Sportausrüstung sollte der Sportart angepasst sein, z. B. geeignete Schuhe
beim Laufen oder richtige Schutzkleidung beim Eishockey. Auch Freizeitsportler
sollten auf eine geeignete Sportausrüstung achten.
* Sportler sollten sich ausgewogen
ernähren. Der Körper braucht und verbraucht bei
Belastung viele Mineralien und Vitamine, um leistungsfähig zu bleiben.
* Wer krank ist oder war, z. B. eine Grippe hatte, wer eine
Verletzung hatte, die
noch nicht vollständig ausgeheilt ist und wer
müde und unkonzentriert ist, sollte
sein Training diesen Gegebenheiten anpassen und entsprechend vermindern.
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4.5.1 Maßnahmen
Jede
Sportverletzung bedarf einer sofortigen
Akuttherapie
nach dem
PECH-Schema ...
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Pause
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Der Verletzte muss die Sportausübung
unbedingt sofort unterbrechen, da sonst eine Verschlimmerung des
Beschwerdebildes droht.
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Eiskühlung
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Als nächstes sollte eine
sofortige Kühlung mit Eiswasser erfolgen. Hierdurch wird die lokale
Blutzirkulation verringert und der Ausbildung eines Blutergusses entgegengewirkt. Die Kühlung
sollte mindestens 20 Min. andauern. Geeignete Mittel sind in einer
Plastiktüte schwimmende Eisstücke bzw. spezielle Kühlpäckchen.
Vorsicht
bei der Verwendung von Eisspray: Es können lokale Erfrierungen
entstehen.
Durch die Kältewirkung kommt es auch zu einer deutlichen Schmerzlinderung
sowie einer Minderung der Oedembildung und der Entzündungsreaktion
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Compression
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Bei einer Verletzung kommt
es immer zur Zerreißung von kleinen Blutgefäßen, hieraus entsteht ein
Bluterguss. Dieser kann durch eine dosierte Kompression
eingeschränkt werden.
Hierzu wird eine elastische Binde mit leichter Spannung angelegt. Der
Kompressionsverband kann mit der Eispackung kombiniert werden
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Hochlagerung
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Als vierte Maßnahme ist eine
Hochlagerung erforderlich, um zusätzlich die Schwellung und
Blutungsneigung zu verringern.
Bei allen akuten Verletzungen sind Massagen sowie Wärmeanwendungen zu
vermeiden.
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... und
weiterer verletzungsspezifischer Maßnahmen.
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Verletzung
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Maßnahme
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Blutende Wunden
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Anlegen eines Druckverbandes. Ist die
Blutung auf diese Weise nicht zu stoppen, sollte eine zweiter fester
Druckverband über den ersten angelegt werden. Ein Abbinden der
betroffenen Gliedmaße sollte auf jeden Fall unterbleiben.
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Kreislaufkomplikationen
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Hautblässe, kalter Schweiß und Übelkeit
sind Zeichen von, der Betroffene sollte auf dem Rücken gelagert und die
Beine hochgehalten werden. Ist der Sportler nicht mehr ansprechbar
(Bewusstlosigkeit) wird er in eine stabile Seitenlagerung gebracht und
schnellstmögliche Weiterversorgung durch einen Arzt veranlasst.
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Bandkapselverletzungen
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Gehören zu den häufigsten Verletzungen
des oberen Sprunggelenkes. Sie entstehen meist nach einem Fehltritt oder
durch eine Bodenunebenheit. Die Sofortmaßnahme besteht in Kühlen mit
Eiswasser, Anlegen eines leicht komprimierenden Verbandes und
Hochlagerung. Weitere diagnostische Abklärung durch einen Arzt ist
unbedingt erforderlich, da es sonst zu chronischen Bandkapselinstabilitäten
kommen kann.
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Gehirnerschütterung
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Die Bewusstseinslage des Sportlers
sollte geprüft werden, indem man mit ihm spricht und fragt, ob er den
Unfallhergang erzählen kann. Bewegt man einen Finger vor den Augen des
Verletzten langsam hin und her, so müssen die Augen der Bewegung folgen können.
Besteht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, darf der Verletzte
sich auf keinen Fall weiter sportlich betätigen. Bis zum Transport ins
Krankenhaus sollte er mit etwas erhöhtem Oberkörper gelagert und gegen
Auskühlung mit einer Decke geschützt werden.
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Verrenkungen
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Betroffene Bereiche sind häufig
Kniescheibe und der Schulter. Bei allen Verrenkungen sollte sofort ein
Arzt aufgesucht werden, Laien sollten niemals ein Gelenk wieder einrenken.
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Muskelzerrung
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Der Sportler verspürt einen
krampfartigen Schmerz in der Muskulatur, er kann zwar noch die sportliche
Betätigung fortführen, hat jedoch dabei ein deutliches
Missempfindungsgefühl in der Muskulatur. Die Muskulatur wird zunehmend
unelastischer und damit auch schlechter dehnbar. Bei Auftreten solcher
Symptome sollte die sportspezifische Belastung unbedingt eingestellt
werden, da sonst bei Nichtbeachtung ein Muskelfaserriss droht.
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Muskelfaserriss
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Bei dieser Form von Muskelverletzung
gibt der Sportler einen stichartigen Schmerz an, so als ob ihn jemand mit
einem Messer gestochen hätte.
Die Behandlung der Muskelverletzungen muss sofort einsetzen. Im
Vordergrund des Bemühens steht die Einschränkung des sich ausbildenden
Blutergusses. Dies gelingt am besten durch Anlage eines Druckverbandes und
Kühlung mit Eiswasser. Jede Minute Zeitverlust nach Verletzung bedeutet
einen Tag verlängerte Rehabilitationszeit.
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Muskelprellung
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Durch lokale stumpfe Gewalteinwirkung
kommt es zur Muskelprellung mit nachfolgender Blutergussbildung. Auch hier
muss das Ausmaß des Blutergusses durch sofortige Eiskühlung und
Kompressionsverband, Hochlagerung sowie Entlastung eingedämmt werden. Die
Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten hat sich in diesem Falle
besonders bewährt. Eine mindestens zweitägige Belastungspause muss
eingehalten werden. Wichtig ist es, bei der Mobilisation darauf zu achten,
dass diese im schmerzfreien Bereich erfolgt. Massagen im
Verletzungsbereich sind verboten, weil hierdurch eine Muskelverknöcherung
provoziert werden kann..
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Muskelkater
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Elektronenmikroskopische Untersuchungen
haben gezeigt, dass es hierbei zu Mikroverletzungen kommt. Der Muskelkater
setzt erst mehrere Stunden und oft auch erst am nächsten Tag nach der
Belastung ein. Die Muskulatur wird verhärtet und ist schmerzhaft,
intensivere sportliche Belastung ist nicht mehr möglich und sollte auch
strikt gemieden werden. Die Muskelfunktion bleibt für mehrere Tage
bis zu einer Woche erheblich gestört. Ausgelöst wird der Muskelkater
hauptsächlich durch Belastung des gedehnten Muskels gegen Widerstand, wie
sich dies z.B. beim Bergablaufen oder bei der Stützphase beim Laufen
findet. Muskelkater wird jedoch auch durch Ausführung von ungewohnten
oder neuen Belastungsformen hervorgerufen. Nach zwei- bis dreimaligem
Training tritt dann ein Muskelkater nicht mehr auf. In der Behandlung
haben sich Eisabreibungen, Kneipp-Anwendungen, Wechselbäder sowie ein
leichtes Bewegungstraining, insbesondere mit Belastungsformen wie
Radfahren und Joggen bewährt.
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Muskelkrämpfe
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Diese sind meistens Folge einer muskulären
Ermüdung infolge Milchsäureanhäufung. Die Bedeutung der Elektrolyte und
hier insbesondere des Magnesiums wird in Sportlerkreisen häufig überschätzt.
Zu beachten ist, dass neben den Elektrolyten auch immer eine ausreichende
Menge Flüssigkeit und leicht resorbierbare Kohlenhydrate aufgenommen
werden. Die Ursachen von Muskelkrämpfen sind jedoch vielschichtig und
deshalb sollte immer eine klinische Untersuchung und Labordiagnostik
erfolgen. Die Therapie der Muskelkrämpfe besteht in Beseitigung der auslösenden
Ursachen, vorsichtigen, lokalen Dehnübungen, Flüssigkeits-, Elektrolyt-
und Kohlenhydratersatz. Sehr bewährt haben sich auch lokale
Eisabreibungen und Lockerungsmassagen.
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